 In der Schweiz kein Problem: „Die Windkraftanlage im berühmten Skigebiet in Andermatt ist sogar eine Touristenattraktion in den Schweizer Alpen“, sagt Peter Heinzer, Tourismusfachmann und Direktor der Andermatt Gotthard Sportbahnen AG. Foto: EW Ursern / Andermatt Gotthard Sportbahnen AG | Während Offshore Windparks in Deutschland, Dänemark oder Großbritannien schon längst Strom vom Meer in die Steckdosen liefern, sich in Niederösterreich mehr als 270 Windräder drehen oder im hochalpinen Gelände im schweizerischen Andermatt die Flügel eines einzigen Windrades mehr als 250 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgen, tut man sich in Salzburg noch sehr schwer mit der Umsetzung von Windkraftprojekten. Eines davon ist jenes am Aineck im Lungau nahe vom Katschberg am Passübergang zu Kärnten. Die Landesspitzen aller Parteien bekennen sich zwar grundsätzlich zum Windräderprojekt am Aineck, eine Genehmigung scheitert aber noch immer an der endgültigen Beschlussfassung der Gemeinde St. Margarethen, sowie an der Bürokratie der Bezirkshauptmannschaft Tamsweg und einer neuerlichen Stellungnahme der Kärntner Anrainergemeinde Rennweg. Franz Kok, Projektentwickler und einer der Betreiber der Samsonwindkraft-Gesellschaft, die das Windkraftwerk am Aineck errichten will, kündigt nun einen neuen Vorstoß an: „Die Umsetzung ist sicher eine Frage des Willens. Das Land beteuert, dem Vorhaben positiv gegenüber zu stehen, findet aber offensichtlich kein Mittel zur Durchsetzung ihres Interesses.“ In Kürze wolle man mit allen Entscheidungsträgern wieder das Gespräch suchen, um das Projekt voranzutreiben.
Bekenntnis ohne Kraft Frischen Wind in der Sache erwarten sich die Betreiber vom neuen St. Margarethener Bürgermeister Gerd Brand (SPÖ), der noch auf verschiedene Stellungnahmen seitens der Betreiber und aus Kärnten wartet. Welche genau, war nicht zu erfahren. In der Kärntner Nachbargemeinde Rennweg steht man dem Projekt nach wie vor negativ gegenüber. Rennwegs Bürgermeister Franz Eder gelassen: „Der Ball liegt nicht bei uns. Wenn wir eine Anfrage bekommen, werden wir beraten.“ Schützenhilfe für das Projekt kommt vom zuständigen Landesrat Sepp Eisl (ÖVP): „Wir müssen den Einsatz erneuerbarer Energieträger in unserem Bundesland forcieren und zugleich die Energieeffizienz erhöhen. Dazu gehört auch die Nutzung von Windkraft, dort, wo sie aus energetischer Sicht sinnvoll und effizient genützt werden kann. Ich habe den Betreibern des Projektes am Aineck bereits mehrmals versichert, dass ich ihr Vorhaben gerne unterstütze, vor allem auch, was die Abstimmung mit Kärnten betrifft.“
Touristik befürchtet Gästeschwund Dass es während der jahrelangen Diskussion um das Projekt jedoch nicht nur um formalrechtliche Beschlüsse und Bescheide geht, zeigen die Befürchtungen der Tourismusbranche: Von seiten der Hoteliers und Skilift-Betreiber ist immer wieder zu hören: „Nur ja keine Windräder, dann weiß man ja, hier geht der Wind, und in einer Gegend, wo ständig Wind geht, wollen viele nicht Urlaub machen.“ Der frühere ÖVP-Bürgermeister von St. Margarethen, Balthasar Kerschhaggl, spricht es offen aus: „Wir wollen nicht, dass das Aineck-Skigebiet als Windberg verschrien wird.“ Auch von Lärmbelästigung und Landschaftsverschandelung ist nach wie vor die Rede. Projektentwickler Kok kann das nicht verstehen: „Es gibt keine einzige Studie, die einen negativen Zusammenhang zwischen Windrädern und Auswirkungen auf den Tourismus beschreibt.“
In der Schweiz eine Touristenattraktion Über die in der Lungauer Tourismusbranche vorhandene Skepsis kann man sich in der Schweiz indes nur wundern. Der geschichtsträchtige Schweizer Wintersportort Andermatt, am Fuße des Gotthardpasses gelegen, hat schon seit 2002 Erfahrung mit Windkraft in einer Skiregion. Peter Heinzer, Direktor der Andermatter Bergbahnen AG: Obwohl sich dieses Windrad im Skigebiet befindet, haben wir bis dato keine negativen Reaktionen der Gäste gehabt. Im Gegenteil, es melden sich immer wieder interessierte Personen, welche mal eine Führung erleben möchten oder sonst weitere Details wissen möchten.“ In Andermatt planen die Betreiber wegen des großen Erfolges jetzt noch drei weitere Windkrafträder am Gütschen. Derzeit befindet man sich in der Ausbauplanung. Markus Russi, Betriebsleiter des EW Ursern und Mitinitator der Windkraftanlage: „Wind ist eine tolle Ergänzung zur Wasserkraft und schafft Unabhängigkeit von Stromimporten. Vor allem in den Wintermonaten ist die Windkraft attraktiv, weil die Luft in den kalten Monaten schwerer ist. Vom guten Image gar nicht zu reden.“ Bei den Ausbauplänen habe man sogenannte Umweltkreise (NGOs), wie es in der Schweiz heißt, miteingebunden. „Die haben auch ihre Ideen eingebracht. Grundsätzlich gab es aber keinen Einspruch gegen die geplante Erweiterung.“
Das Schweizer Windkraftwerk in Andermatt Es soll sogar ausgebaut werden und bald 1000 Haushalte mit Strom versorgen. Mit dem bestehenden Windrad werden derzeit etwa 250 Haushalte mit Strom beliefert. Jede weitere Anlage soll 300 Haushalte versorgen, insgesamt also über 1000 Haushalte mit vier Windrädern. Vom Kanton Uri gibt es die Auflage, ein Visualisierungskonzept zu erstellen (eine Fotomontage, um die Ansicht der Anlage von verschiedenen Punkten aus sichtbar zu machen) und ein Mitwirkungsverfahren der Bevölkerung zu ermöglichen sowie die Auflage, Sicherheit vor Eiswurf zu gewährleisten. Die Windkraftanlagen haben auch geringe Wartungskosten von nur ca. einer Woche pro Jahr.
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