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VON CHRISTIAN LENOBLE Um rund 1100 Millionen Tonnen müssen die CO 2-Emissionen bis zum Jahre 2020 gesenkt werden, will Europa die angestrebten EU-Klimaschutzziele erreichen. Die Nutzung der Windkraft könnte dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Denn die Windkraft gilt als sauber, wie Stefan Hantsch, Geschäftsführer der IG Windkraft, erklärt: „Bereits nach sechs Monaten hat eine Windkraftanlage jene Energie wieder erzeugt, die für ihre Herstellung, Errichtung und Wartung erforderlich ist. Danach produziert jedes Windrad große Mengen an Strom ohne Emissionen.“ So spare ein Windrad soviel CO 2 im Jahr ein, wie 1500 Pkw in einem Jahr ausstoßen. Bereits heute werden dadurch europaweit knapp 100 Millionen der schädlichen Gase vermieden. Nach Berechnungen der European Wind Energy Association (EWEA) wird durch den voraussichtlichen Ausbau der Windkraft bis 2020 ein Fünftel des EU-Klimaziels erfüllt. Ausbaurekord im Vorjahr Die Windkraft boomt, zumindest global betrachtet. So wuchs die Kapazität an Windkraftanlagen in den letzten zehn Jahren um 28 Prozent jährlich, was einer Verdoppelung alle 2,5 bis drei Jahre entspricht. Allein im Jahr 2008 wurden weltweit rund 40 Milliarden Euro investiert, mehr als 400.000 „Green Jobs“ gesichert und Anlagen mit 27.000 Megawatt (MW) Leistung errichtet. Dass dieser Entwicklung auch die Wirtschaftskrise nichts anhaben konnte, zeigen die Zahlen von 2009: Mit plus 50 Prozent im Vergleich zu 2008 wurde im Vorjahr ein neuer Ausbaurekord verzeichnet. Setzt sich der Trend fort, prognostiziert der Global Wind Energy Council (GWEC), könnten in zehn Jahren zwölf Prozent des weltweiten Stromverbrauchs durch die nachhaltige Alternative gedeckt werden. Einen immer größeren Anteil daran soll künftig der maritime Bereich haben. In Großbritannien, wo derzeit der weltgrößte Offshore-Windpark geplant wird (Errichtung von 5000 Windrädern bis 2020), rechnet man mit einer Vervierfachung der Stromerzeugungskapazität aus maritimen Quellen. Während die Windkraft rund um den Globus auf Zuwachsratenrekordjagd geht, herrscht hierzulande seit 2006 akuter Stillstand. „Österreich ist leider weltweit das Schlusslicht: 2009 konnte keine einzige neue Anlage errichtet werden“, bedauert Hantsch. An entsprechenden Plänen mangelt es dabei nicht. „Die österreichischen Betreiber haben Projekte mit einem Investitionsvolumen von gut 100 Millionen Euro in den Schubladen. Bloß warten wir seit Jahren auf einen Einspeisetarif — also auf die Vergütung, die Ökostrombetreiber für ihren Strom erhalten —, der den wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen ermöglicht“, moniert Fritz Herzog, Geschäftsführer der Ökoenergie Wolkersdorf, die rund 40 Windkraftanlagen mittels Bürgerbeteiligung betreibt. Neustart 2010 „Bei der Windenergie stehen die Anfangsinvestitionen im Zentrum. Laufende Kosten für Brennstoffe gibt es nicht. Was einerseits ein Vorteil ist, bewirkt andererseits, dass schon kleine Unterschiede bei den Einnahmen zwischen der Realisierbarkeit und der Unwirtschaftlichkeit von Windkraftprojekten entscheiden“, ergänzt Hantsch und führt ein Zahlenbeispiel an: „Schafft man etwa bei einem Projekt mit 9,8 Cent pro Kilowattstunde noch sechs Prozent Eigenkapitalverzinsung, so ist man bei 9,1 Cent pro kWh mit minus 6,4 Prozent negativ.“ 2010 soll sich das Blatt für die Windkraftanlagenbetreiber www. verbund.at endlich zum Besseren wenden. Die lang ersehnte Tarifverordnung zu den Einspeisetarifen für Neuanlagen trat mit 2. Februar in Kraft. „Es wird nun endlich wieder möglich sein, zumindest an den effizientesten Standorten Österreichs neue Anlagen zu errichten“, gibt sich Hantsch optimistisch. Die Windkraft in Österreich könnte bei stabilen Rahmenbedingungen bis 2020 von aktuell 995 MW auf 3500 MW ausgebaut, also verdreifacht werden. Durch die heute größeren und effizienteren Anlagen müsste dazu die Anlagenzahl nicht einmal verdoppelt werden. Die Windkraftwerke würden dann statt bisher rund zwei Milliarden kWh mehr als sieben Milliarden erzeugen. Damit wären rund zehn Prozent des heimischen Stromverbrauchs gedeckt. Zudem würde auch der Arbeitsmarkt profitieren. In Aussicht steht in den kommenden Jahren die Schaffung von 3500 Jahresarbeitsplätzen beim Bau und 700 Dauerarbeitsplätze beim Betrieb. |